Ein Thema, das auch gerne von Oberstudienräten im Grundkurs Sozialkunde und sonstigen berufsmäßigen Klugscheissern aufgegriffen wird treibt mich doch ein ganz kleines bißchen um: die seit Jahren steigende Zahl der Nichtwähler war für mich die ganze Zeit nur eine nicht-fassbare Ansammlung von geistig minderbemittelten, Möchtegern-Protestwählern und Faulpelzen - alles Leute, die man unmöglich selbst kennen könnte. Nun muss ich aber, je näher der Termin für die Bundestagswahl rückt feststellen, dass es auch in meinem Bekannten- und Freundeskreis eine Menge Leute gibt, die allen ernstes nicht wählen gehen wollen und mir auf Nachfrage versichern, dass sie in ihrem ganzen Leben noch nicht gewählt hätten - meist mit so fadenscheinigen Aussagen wie “ich bin nicht so politisch interessiert” oder “wen soll man denn wählen?”.
Hallo Leute, geht’s noch? Nicht wählen gehen? Eure Lohnsteuer sollte auf 94% gesetzt werden! Ganz im Ernst, ohne den feierlich-aufklärerischen Ton der Oberstudienräte von wegen “Erfüllung staatsbürgerlicher Pflichten” anschlagen zu wollen: wählen gehen ist ein Muss, es unterscheidet den Menschen von der Amöbe. Macht Euch mal frei von dem ganzen Geschwafel der Medien von der “Politikverdrossenheit” und dem dummen Nachgeplapper der Stammtischbrüder: es hat noch nie - zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte - eine Partei gegeben, hinter deren Programm oder Politikern man vollkommen und zu hundert Prozent stehen konnte. So ist es bei jeder demokratischen Wahl, aber auch im richtigen Leben: es gibt nicht nur schwarz und weiss, sondern nur viele Grauschattierungen. Bei den Parteien, die zur Wahl stehen ist es genauso: man wählt nicht eine Partei, weil man total und vollständig mit ihren Ideen und Zielen konform geht, sondern weil man sie etwas besser findet als eine andere!
Macht Euch also schlau, oder entscheidet meinetwegen nach der Optik der Spitzenkandidaten, den schönsten Wahlversprechen oder auch danach, wer am wenigsten Wahlversprechen abgibt - aber geht wählen. Meinetwegen entscheidet nach der Krawattenfarbe des Spitzenkandidaten oder wählt die Partei, deren prominente Mitglieder die schönsten Doppelnamen haben (mein Favorit übrigens immer noch Frau Leutheusser-Schnarrenberger). Ich will mit Schmocks, denen alles egal ist, nichts zu tun haben - Nichtwähler verschonen daher bitte die nächsten 5 Jahre ihre Mitmenschen mit jeglichem Gejammer über jedwedes Thema - sie haben eben ihr Stimmrecht nicht ausgeübt!

Hast schon Recht, nur leicht wird einem die Sache wirklich nicht gemacht! Vor allem ” was interessiert mich das Geschwätz von gestern ” trägt hier seinen Teil dazu bei…..
Great
Great
schrieb am 28.03.2008 15:36
Hi GauGau,
mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen. Ich gehe wie immer Wählen auch ohne einer Partei wirklich nahe zu sein. Wie heißt es noch:‘es könnte schlimmer kommen und es kam noch viel schlimmer!’
Finde deinen Eintrag super!
Gruß Fritz
Fritz
schrieb am 28.03.2008 15:37
Hi Cheffe,
super Blog-Eintrag, du sprichst mir aus der Seele! Ich habe in letzter Zeit auch mit vielen Leuten diskutiert und oft kommt dann der Satz “ist doch eh alles egal und gleich” und blablabla… Das sind die fadenscheinigsten Argumente, die man sich vorstellen kann. Es ist wirklich am Ende schnuppe, was man wählt. Aber nicht wählen zu gehen - das ist ein Fußtritt gegen die Demokratie. Oder dann kommt der Spruch “ich wähle SED” - also aus Protest irgendeine Partei am linken oder rechten Rand. Hallo? Geht’s noch? Euch ist bewusst, dass die mit jeder Stimme auch neue Finanzmittel vom Bund bekommen? Wollt ihr das etwa, wenn euch doch sowieso alles egal ist?
Wie wärs mal mit einem T-Shirt “Nicht jammern, ich habe gewählt” oder “Nichtwähler haben keine Freunde”… *g*
Jolle
schrieb am 28.03.2008 15:37