Ah, das läuft mir runter wie Öl - ich kann sagen „Das habe ich doch schon die ganze Zeit gewusst“: nach einer Studie der Uni Bern, die wiederum 220 Studien zum Thema durchforstet hat ist Homöopathie nur Scharlatanerie – der Effekt, der von den kleinen weißen Kügelchen ausgeht ist nur der eines Placebos. Schon der Ansatz dieser Möchtegern-Wissenschaft „Homöopathie“ ist meiner Meinung nach esoterisch: man nehme eine Substanz, die in starken Dosen ähnliche Wirkungen hervorruft wie die Krankheit, die man bekämpfen möchte. Dann verdünnt man das Zeugs seeeehr stark und –schwupps- schon hat’s die umgekehrte Wirkung: es ist ein Heilmittel.
Ein Beispiel: der Patient hat starke Kopfschmerzen. Der Homöopath denkt sich „Was macht denn starke Kopfschmerzen?“ und gibt sich auch gleich die Lösung: Stechapfel ist ein prima Gift – es ist ein Naturprodukt, beginnende Stechapfel-Vergiftungen verursachen unter anderem Kopfschmerzen. Werfen wir also einen Stechapfel in Konstanz in den Bodensee, rudern auf die anderen Seite nach Lindau, entnehmen dort einen Tropfen Wasser und packen ihn in ein Zucker-Kügelchen. Das verkaufen wir dann dem Kopfschmerz-Patienten für teuer Geld. Kaum zu glauben: der Kopfschmerz ist tatsächlich weg.
Liegt es nun daran, dass wir einfach nicht so gut in Form sind und dass unser Ruder-Ausflug über den Bodensee so lange gedauert hat, dass dem Patienten inzwischen die Lust zum Kopfweh haben vergangen ist. Liegt’s an der heilenden Wirkung des Zuckerkügelchens? Man weiß es nicht – kann aber mit viel Tamtam behaupten, dass sich mit der Homöopathie Kopfschmerzen bekämpfen ließen.
Mich wundert nur, warum bisher noch keiner auf die Idee gekommen ist, den Gedanken auf andere Felder auszudehnen: so ist doch allgemein bekannt, dass Automobile, wenn sie denn nur mit ausreichender Geschwindigkeit gegen Hindernisse (wie z.B. Passanten) gesteuert werden, recht starke Verletzungen mit zum Teil tödlichem Ausgang haben können. Da liegt es doch nahe (wenn man der Argumentation der Homöopathie-Freunde folgen mag), dass ein sehr kleiner Bestandteil eines Autos eben Verletzungen lindern kann. Nehmen wir also eine homöopathische Dosis eines Autos, z.B. ein Stückchen vom Türgriff und legen es einem kranken Menschen, beispielsweise einer Person mit gebrochenem Bein, auf die verletzte Stelle – das sollte doch eigentlich Wunder wirken. Gerne können wir uns natürlich über die Darreichungsform unterhalten – meinetwegen kann der Türgriff auch gerne geschreddert und oral verabreicht werden; vielleicht hilft es ja auch, einfach ein paar Autos im Bodensee zu versenken und das Sache mit dem Ruderboot und dem Wassertropfen beizubehalten.
Aber zurück zur Studie: natürlich hat es die Verfechter der Homöopathie die ganze Zeit gewurmt, dass Sie halt die Wirksamkeit nicht beweisen konnten, deshalb haben sie Studien in Auftrag gegeben. Genauso hat es die Pharma-Industrie und die „Schulmediziner“ geärgert, dass ihre schönen Medikamente unnötig sein sollten wegen ein bisschen Zucker und einem Schluck Bodensee-Wasser, so dass auch sie wie verrückt Studien in Auftrag gegeben haben. Gefreut hat es die Institute, die so herrliche Studien durchführen konnten. Als Resultat gab es immer Studien, die das eine oder das andere belegt haben. Nun haben eben die Schweizer die Mutter aller Studien betrieben, indem sie die Ergebnisse zusammengefasst haben. Heraus gekommen ist: Homöopathie ist Humbug. Natürlich kommen jetzt die Esoteriker in ihren Cord-Hosen aus ihren Rosenquarz-geschützten, Elektrosmog-freien Katakomben geschlichen und sagen: das haben wir uns gleich gedacht – die Pharma-Industrie will uns unsere schöne Wissenschaft vergällen durch eine Kampagne gegen die beliebten Kügelchen. Dabei vergessen sie aber zu erwähnen, dass die Homöopathie inzwischen auch eine Industrie mit satten Gewinnspannen ist (die Rohstoffpreise und Herstellkosten sind nämlich im Vergleich zu „richtigen“ Medikamenten ein Witz).
Was ich mit diesem Beitrag nun eigentlich mitteilen will: jeder glaubt an etwas, weil er daran glauben will. Ich glaube, dass Homöopathie Mumpitz ist; die Esoteriker glauben, dass die Studie lügt und ihre Kügelchen und Wässerchen ganz toll sind. Die Studie wird (leider) nicht das Ende des Hokus-Pokus sei, es werden weiter Milliarden ausgegeben werden für Zuckerkügelchen mit Bodensee-Wasser-Zusatz. Aber behauptet mir nicht, es hätte Euch keiner gesagt, dass Ihr Geld verbrennt. Ich persönlich werde jedenfalls sofort losziehen und mein Auto schreddern lassen…

Da wurden Worte der Kritik laut, daher zur Klarstellung: die Berner Wissenschaftler haben nicht eine Studie mit nur 220 Probanden erstellt, sondern sie haben 220 Studien ausgewertet, bei denen jeweils Tausende teilgenommen haben. Insgemsamt basiert die Studie also auf Zehn- wenn nicht Hunderttausenden von Probanden. Sie ist daher sehr wohl repräsentativ.
Joachim (GauGau)
schrieb am 28.03.2008 15:27
Einen größeren und unqualifizierteren Blödsinn habe ich noch nie gelesen.
1. Sollte genau geschaut werden, wer die 220 Studien in Auftrag gegeben hatte. Ich behaupte 90 % davon waren von der Pharmaindustrie direkt oder indirekt finanziert. Die haben doch überhaupt kein Interesse, wenn alternative Heilmethoden - und dazu kann man die Homöopathie zählen - ihnen das Geschäft vermiesen.
2. Gibt es viele Beispiele, in denen nachweislich mit den “kleinen weißen Kügelchen” eine Verbesserung des Befindens oder gar eine Heilung eingetreten ist. Ob dies nun an der Substanz selbst, am Zuspruch dessen, der verordnet oder am Glauben des Patienten liegt, ist letztlich nicht entscheidend. Der Erfolg zählt - wer heilt hat Recht.
3. Die Parmaindustrie verkauft jährlich für viele Milliarden Euro “Medikamente” deren Wirksamkeit nachweislich nicht vorhanden ist, bzw. die so schädlich sind, daß die Patienten durch deren Einnahme noch größeren Befindlichkeitsstörungen bekommen, bleibende Schäden davon tragen oder gar daran versterben.
Dies kann zumindest den Homöopathen nicht angedichtet werden.
Diese Aufzählung läßt sich - fast - beliebig fortsetzen.
Man kann viele Vorteile in der Schulmedizin finden, so lange sie verantwortungsvoll angewandt wird. Man kann aber mindestens genauso viele bei den alternativen Heilmethoden - zu denen ich die Homöopathie zähle - finden.
Schulmediziner die beide Felder der Heilung beherrschen und die verantwortungsvoll jeweils die, in der Situation am besten geeignete wählen, sind das Gebot der Stunde. Leider gibt es davon viel zu wenige, so daß dies leider auch unqualifizierte Scharlatane auf den Plan ruft.
An dieser Stelle hätte ich einfach eine etwas objektivere Betrachtung beider Heilungsarten erwartet und nicht nach unreflektierte Nachgeplapper von Pharmaphrasen.
Schade.
Homöpath
schrieb am 28.03.2008 15:29
von den 220 Studien wurden 110 von der Pharma-Industrie in Auftrag gegeben und 110 von Homöopathie-Befürwortern..
Joachim
Joachim (GauGau)
schrieb am 28.03.2008 15:29