Ein Bild und seine Geschichte
Der Ort
Auf einem wegen schlechten Wetters wenig besuchten Staudamm im Tessin, auf ungefähr zwei Drittel der Strecke vom Anfang der Staumauer bis zum Ende. Zur Linken der Ausblick ins Tal über eine Brüstung hinweg, zur Rechten der Stausee.
Das Objekt

- Corpus delicti
Da sehe ich ihn - auf den ersten Blick eher unscheinbar (und auch eher so eklig, dass man nicht näher hinsehen mag): ein malerischer Kackhaufen und daneben eine einzelne Socke.
Soso, was die Leute alles wegwerfen... Aber Moment mal: eine einzelne Socke ist nicht unbedingt das, was mal so eben verliert. Daher halte ich einen Moment inne, und vor meinem geistigen Auge beginnt sich der mögliche Hergang des "Sockenverlusts" abzuwickeln:
Der Tat-Hergang
Da ist also ein Besucher des Staudamms. Er läuft vom Parkplatz am Souvenir-Kiosk (in dem sich eine Toilette befindet) vorbei auf die Damm-Krone. Nach ungefähr der Hälfte beschleicht in ein mulmiges Gefühl in seinen Innereien. Er sieht sich einigermaßen panisch um: zurück zum Kiosk (ca. 150 Meter) oder doch zum Ende der Staumauer mit dem angrenzenden Wäldchen (ebenfalls ca. 150 Meter)? Schweiß tritt auf seine Stirn. Seine Entscheidung fällt in Sekundenbruchteilen - das Gebüsch am Ende des Staudamms soll es sein. Nicht gerade sanitärer Luxus, aber ein beschauliches Plätzchen, geschützt vor neugierigen Augen während der anstehenden Verrichtung eines menschlichen Bedürfnisses, das sich mit rasender Geschwindigkeit andeutet.
Mit zusammengepressten Pobacken beschleunigt er seinen Schritt, aber doch so, als schlendere er forschen Schrittes die Dammkrone entlang und genieße den Ausblick ins Tal - schließlich ist er ja nicht alleine auf dem Damm...
Aber schon nach wenigen Metern bemerkt er, dass es nicht mehr bis zum Gebüsch reichen wird; es muss hier sein - jetzt und auf der Stelle.
In einem Akt der Verzweiflung zieht er die Hose runter, schickt sich in's Unvermeidliche und lässt der Natur ihren Lauf; direkt auf der Damm-Krone und in einem halben Meter Entfernung zum Geländer und dem gähnenden Abgrund dahinter hält er sich, geschwächt von der Urgewalt in seinem Darm, zur Stabilisierung der Position mit einer Hand an der Brüstung fest.
Es ist vollbracht - mit schweißnasser Stirn verharrt er noch in der kauernden Position und tastet in seiner Jacke nach den Papiertaschentüchern, da trifft in ein neuer Schock: die Taschentücher sind nicht in der Jackentasche. Ach ja, er hatte das alte Päckchen gestern aufgebraucht und in der Pension vergessen, Nachschub aufzufüllen. Jetzt ist guter Rat teuer: ein Blick über die Schulter auf das Produkt seiner Darmentleerung zeigt überdeutlich, dass es ausgeschlossen ist, einfach nur die Hose wieder hochzuziehen und sich von dannen zu machen.
Fieberhaft überlegt er, was sich als Alternative für die Papiertaschentücher eignen würde - schließlich kommt er auf das einzig entbehrliche Kleidungsstück, dass er am Körper trägt: seine Socken. Also zeiht er (immer noch in der Hocke kauernd) seinen Schuh aus und anschließend seine Socke, um mit dieser einen Vorgang durchzuführen, den der Hersteller wahrscheinlich nicht vorgesehen hat.
Nachdem diese Prozedur beendet ist bleibt ihm nur noch, schnell barfuß in seinen Schuh zu schlüpfen und sich geschwinden Schritts von dannen zu machen, in der Hoffnung, dass möglichst wenige Passanten dem Schauspiel beigewohnt haben.
Ende gut, alles gut

- Socke mit Aussicht
So weit habe ich mir also zurecht gesponnen, was passiert sein könnte und empfinde tiefes Mitleid mit dem tapferen Wandersmann, dem solches Unbill widerfahren ist.
Was bleibt also übrig zu tun: wir werfen nochmals einen Blick über den Kackhaufen hinweg in's malerische Verzasca-Tal, gehen für eine Schrecksekunde in uns (mit kurzem Kontrollgriff an die Brusttasche der Jacke, ob die Papiertaschentücher auch wirklich da sind, wo sie sein sollen) und schreiten dann fort zum Gebüsch am Ende des Staudamms, das gleichzeitig das unerreichbare Ziel des Einen war und für den Anderen der Beginn einer netten Wanderung im malerischen Tessin - hoffentlich ganz ohne Magengrimmen.
Nachtrag

- Nachstellung des Tat-Hergangs
Normalerweise würde es ein cleverer Autor an dieser Stelle damit bewenden lassen und sich seine Geschichte nicht kaputt schreiben, aber was geht mich das an? Deshalb sei an dieser Stelle noch erwähnt, dass
- der Kackhaufen wirklich weder von mir noch von jemandem stammt, den ich kenne - ich habe mir den Ursprung der Kacke/Socke-Kombination wirklich nur ausgemalt und die Geschichte nicht selbst "durchlitten"
- der Schauplatz der Geschichte ist der Verzasca-Staudamm - die Stau-Mauer ist 220 Meter hoch
- das nebenstehende Foto zeigt eine Nachstellung der Situation mit der Socke, nicht die Original-Begebenheit
- Auf dem Staudamm wird (bei gutem Wetter) auch Bungee-Springen angeboten - möglicherweise besteht ein kausaler Zusammenhang zwischen den Gefahren des Bungee-Springens und der spontanen Darmentleerung unseres "Helden"
- die Geschichte wirklich höchst eklig ist - ich stimme jedem Besucher dieser Seite zu, dass solche Gedankengänge nicht das Geringste mit Ästhetik zu tun haben. Schimpf und Schande über mich
Yeah;
die Erörterung über einen "malerischen Kackhaufens mit Bruder Socke" ist so genial und sicherlich zu 99 % wahr. Die Interpretation über den Tathergang, erinnert mich an die amerikanische Serie "MONK". Im Zuge der immer mehr kopierten amerikanischen Serien, muß ein Pendant her.
Hauptrolle: J.M. GAUGAU
Captain: Leland Stottlemeyer könnte ich übernehmen.
Leeland: ( fern von aller Zivilisation )
Stottlemeyer: Stürzelmeyer ( Einwohner von fern von aller Zivilisation )
grüsse und weiter so Herr Müller
Wolfgang
schrieb am 23.07.2008 19:06